Alte Steingutfabrik

Das ehemalige Gelände der alten Steingutfabrik von Villeroy & Boch, bzw. zu DDR-Zeiten VEB Steingutfabrik/Sanitärporzellan, wird umgangsprachlich auch die „Kachel“ genannt – bezogen auf die dort gefundenen Artefakte der (Fliesen-)Kachelherstellung.

Auf dem Gelände befindet sich die alte Orangerie sowie die „Lange Wand„. Ehemals waren dort auch mal ein kleiner Bike-Park, ein Hühnerstall und ein Haus zum Verweilen.

Aktuell wird auf dem Gelände vor allem Baumaterial der Hafencity gelagert und aktiv rangiert. EIn Großteil des Geländes gehört der Procom Invest.

Historisches


Villeroy & Boch Dresden von 1906 bis 
2016
Daten und Fakten
  

1906                    

Dritte Deutsche Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden. Hauptsehenswürdigkeit war der von Max Hans Kühne entworfene Wintergarten der ersten Industriehalle. Tableaus oder Tableaus mit gleichen Motiven befanden sich bis 1994 an der Ofenhalle des Werksgeländes an der Leipziger Straße. Villeroy & Boch erhielt für hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Baukeramik die Staats-Medaille.

1907-1920            

Heinrich Ruppe Direktor in Dresden (von 1900-1907 Direktor in Wallerfangen).

1923                   

Dresden wurde statt Mettlach Sitz der Generaldirektion. Das Saarland war nach dem Ersten Weltkrieg auf 15 Jahre vom Deutschen Reich abgetrennt.

1923

29. Oktober Eintragung der Steingutfabrik Dresden als Zweigniederlassung der Villeroy & Boch A. G. mit Hauptniederlassung in Breslau.

1928                     

Dresden. Erster Direktor: Dr. Hans Lehmann, Dresden.

1928                  

Generaldirektor Luitwin von Boch-Galhau erhielt vom Rektor der Technischen Hochschule Dresden die Ehrendoktorwürde verliehen.

1930                     

Michael Röscher wurde Direktor der Generaldirektion Dresden.

1930 Oktober        

Stilllegung und Modernisierung der Dresdner Steingutfabrik.

1931 Januar          

Die Produktion wurde mit erneuerter Technik und einer um fast 40 % reduzierten Belegschaft wieder aufgenommen.

1931                      

Dr. Rudolf Sies wurde kaufmännischer Direktor in Dresden.

1932                

Michael Röscher, Direktor der Generaldirektion Dresden, wurde Vorstand der Villeroy & Boch Keramische Werke AG.

1932                

Franz von Papen schied wegen Übernahme des Reichskanzleramtes aus dem Vorstand der AG aus.

1934                  

Fritz Kreikemeier war vom 1. Januar bis 27. April kaufmännischer Direktor in Dresden als Nachfolger von Dr. Sies.

1934                    

Paul Graeben kaufmännischer Direktor der Steingutfabrik Dresden von 1934 bis zum 31. Dezember 1942.

1935                     

Die Generaldirektion Dresden der Villeroy & Boch Keramische Werke AG wurde nach Mettlach verlegt und mit der dortigen Generaldirektion vereinigt.

1939                      

Das Werk firmiert „Villeroy & Boch K.G. – Steingutfabrik Dresden“.

(?)-1944                

Dr. Martin Böttcher Direktor in Dresden.

1939-1945           

Zweiter Weltkrieg. Viele Mitarbeiter wurden zum Militärdienst eingezogen, denn das Keramikunternehmen war nicht „kriegswichtig“. Die Werke an der Saar mussten ihre Produktion einstellen, denn die Region war militärisches Aufmarschgebiet. Die Bevölkerung wurde evakuiert.

1940 Mitte           

Die Produktion wurde wieder aufgenommen. Verboten war die Herstellung von Wandfliesen, die von Bodenfliesen nicht. Dekore wurden als „nicht lebensnotwendig“ erachtet und verboten. Standard war robustes Wehrmachtsgeschirr. Fliesenpressen wurden demontiert und in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Fremdarbeiter und Frauen stellten das Gros der Beschäftigten.

1943                  

Vereinfachung bei der Produktion sanitärer Spülwaren (Übergang vom Kapsel- zum Freibrand).

1944                    

Beim Bombenangriff auf Dresden wurde die Steingutfabrik nur wenig beschädigt. Sie beschäftigte ca. 450 Personen.

1944 12. Juni       

Dr. Ing. Hans Lehmann wurde Direktor der Steingutfabrik Dresden.

1945 Frühjahr      

Verlegung der Versuchsanstalt von Dresden nach Waldheim/Sachsen

1945 17. April     

Beim letzten Bombenangriff auf Dresden fielen ca. 160 Bomben auf das Werk. Mehrere Gebäude brannten aus. Fertigware im Wert von 300.000 Reichsmark wurden vernichtet.

1945 7./8. Mai     

Einmarsch der Roten Armee in Dresden. Die Besatzungstruppen setzten einen Provisorischen Arbeiterrat ein.

1945 01. Juni      

Dr. Ing. Hans Lehmann, Direktor in Dresden, aus der Firma ausgeschieden. Stellvertreter war Dr. Körner.

1945 02. Juli      

Die Fabrik wurde durch die Rote Armee besetzt und bis September unter den Bestimmungen des Kriegsrechts vollständig demontiert.

1945                

Die Werke im Osten – Dresden, Torgau und Breslau – wurden enteignet und demontiert.

1946 30. April   

Der Abtransport der Anlagen in 200 Eisenbahnwaggons aus Dresden war abgeschlossen.

1948 01. Oktober Nach Erteilung der Wiederanlaufgenehmigung erfolgte die Enteignung des Dresdner Zweigbetriebes von Villeroy & Boch einschließlich des gesamten Grundbesitzes. Die Bank- und Postscheckguthaben verfielen der Konfiskation. Das Werk wurde als „Steingutfabrik Dresden“ in die neu gebildete „Vereinigung Volkseigener Betriebe Keramik“ eingegliedert.  
Auf dem Gelände in der Leipziger Straße in Dresden produzierte der „VEB Steingutfabrik Dresden“ vor allem Toiletten und Waschbecken.

1965                     

Umbenennung der Fabrik in „VEB Sanitärporzellan“

1990 03. Oktober 

Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland.

1992                      Anschluss der „Sanitärporzellan-Dresden GmbH“ an die „DURAVIT AG“.

1993                   

Klaus-Peter Dyroff, Restaurator aus Schmiedeberg im Osterzgebirge erhielt den Auftrag, die Wandfliesenarbeiten zu dokumentieren und zu demontieren.

1994                     

Die Produktion von Duravit Sanitärporzellan wurde nach Meißen verlegt.

Ende Dezember 1994 war der Umzug des Dresdner Werkes in die neu erbaute Fabrik nach Meißen abgeschlossen.

1995                     

Im Januar 1995 begann der Abbruch des Bausubstanz im Auftrag des Investors für das Gelände an der Leipziger Straße, der Gesellschaft für Gewerbebauten und Einkaufszentren in Ahrensburg bei Hamburg.

2016                 

Die durch die Firma Klaus-Peter Dyroff 1993/1994 von der Außenwand der Ofenhalle demontierten Fliesentableaus lagern noch im Depot des Restaurierungsateliers Dyroff in Dippoldiswalde Ortsteil Schmiedeberg.

via https://www.geschichte-der-fliese.de/